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1. Der Vogel am Drahtseil

Beim Königschießen der Schützenbruderschaft St. Fabian und Sebastian Neuenheerse e.V. geschah im Jahre 1924 folgendes: Ein älterer Schützenbruder war zum Schießen auf den Holzadler aufgerufen worden. Er war als schlechter Schütze bekannt und schoss auch weit neben das Ziel in die Bäume. Trotzdem fiel der Adler von der Stange. Des Rätsels Lösung: Der Schützenbruder Hubert Günschmann, der für die Herstellung des Holzadlers verantwortlich war, hatte an der Halterung des Adlers eine Klinke angebracht. Sie konnte durch Ziehen eines dünnen Drahtseiles, das unsichtbar für die Schützen an der Vogelstange angebracht war, ausgelöst werden. Als der ältere Schützenbruder, den H. Günschmann gern als König sah, auf den Vogel schoss, zog er am dünnen Seil. Der Vogel fiel herunter, und die Schützen hatten einen neuen König. Diesen Vorgang hatte ein staatlicher Revierförster, der die Oberaufsicht beim Schießen hatte, gesehen und dem Oberst gemeldet. Das Königschießen musste von neuem beginnen. H. Günschmann bekam vom Obersten einen strengen Verweis und durfte einige Jahre nicht mehr am Königschießen teilnehmen. Um ein unpassendes Herunterfallen des Adlers zu verhindern, bekam er eine feste Bindung an der Stange.

2. Der getauschte Vogel...

Man schreibt das Jahr 1973 in Winterberg-Siedlinghausen. Carl Caspari soll für die Schützenbruderschaft den Schützenvogel bauen. In der Werkstatt des Modellbau- und Tischlermeisters entsteht ein Meisterwerk, das seinesgleichen sucht. Drei Meter Spannweite mißt das Wappentier und bringt mehr als 50 Kilogramm auf die Waage, 250 Arbeitsstunden investiert der Erbauer in das Prunkstück. Caspari gewinnt seinen Schützenvogel lieb - und weigert sich, den "Aar" zum Abschuss freizugeben. Allein: Die Schützenbruderschaft beharrt auf dem Schützenvogel, will sich auch mit einem kleineren Ersatzvogel nicht zufrieden geben. Es kommt, wie es kommen muss: Carl Caspari tauscht bei "Nacht und Nebel" den schon im Kugelfang befestigten Prachtvogel gegen den kleineren "Artgenossen"..... Doch in Siedlinghausen nimmt man die Tradition, dass der einmal gebaute Vogel auch zu Kleinholz verarbeitet wird, ernst. Noch 17 Jahre später macht der Schützenkönig des Jahres 1973/74 seinem Unmut in der Westfalenpost Luft: "Es war ganz einfach Diebstahl. Es war der größte Skandal, der die Bruderschaft je erschüttert hat. Nur der Umstand, dass mir der damalige Brudermeister glaubhaft versichern konnte, dass auch der Vorstand betrogen worden war, hat mich im Hinblick auf die Solidarität zum Verein bewogen, die Königskette nicht zurückzugeben."

Aus der Westfalenpost, 1990

3. Wappentier in falschen Händen - auch Justitia lachte Tränen ...

Von Lutz Niemann
Finnentrop/Grevenbrück. Wenn ein Spaßvogel den Schützenvogel eines Schützenvereins „von der Stange holt“, kann ein Richter Recht vor Gnade ergehen lassen. Wenn der Täter den „Aar“ aber nebst humorigem Begleitbrief zur Altenhundemer Vogelwarte transportiert, lacht auch die gestrenge Justitia Tränen. So geschehen in Finnentrop am 5. Juli. Schon auf dem Weg zum Schützenplatz stach dem 21jährigen Jörg W. aus Bamenohl das in luftiger Höhe befestigte Wappentier ins Auge. Als sich Stimmung und Alkoholpegel gegen zwei Uhr ihrem Höhepunkt näherten, reifte in W. der außergewöhnliche Beschluss. In einer halsbrecherischen Kletteraktion löste der Kfz-Mechaniker den Vogel aus seiner Befestigung im Kugelfang. Doch wohin mit dem Federvieh, das beim unsanften Aufprall Füße und Teile seiner Insignien verlor? Die rettende Idee wurde am folgenden Morgen in die Tat umgesetzt. „In einer kühnen „Rettungsaktion gelang es mir, diese seltene Spezies eines Adlers vor der Erschießung durch den Bürgerschützenverein Finnentrop zu bewahren. In der Hoffnung, dass Sie ihn durchbringen, Euer Heinz Sielmann“, schrieb der Witzbold auf einen Zettel und brachte das lädierte „Tier“ zur Altenhundemer Vogelwarte. Weil sich Mitwisser ungeschickt verhielten, stand Jörg W. gestern in Grevenbrück wegen Diebstahls vor Amtsrichter Udo Poetsch, der nach eigener Aussage entschieden lieber wegen eines Verstoßes gegen das „sauerländer Artenschutzgesetz“ verhandelt hätte. Nicht ohne den Hinweis, dass wohl auch die „schützenfestgeschädigte“ Presse an dem Vorfall einen „Mordsspaß“ gehabt habe, schlug der Richter eine Einstellung des Verfahrens wegen Geringfügigkeit vor. Unbeantwortet blieb dabei die Frage, ob der reuige Täter, der den Schaden in Höhe von 400 Mark zwischenzeitlich an die Schützenbrüder zahlte, tatsächlich eine Karriere als „Sauerland-Sielmann“ vor Augen hatte. Zögernd willigte auch Staatsanwalt Meyer in die Einstellung des Verfahrens ein: „Er hat das arme Tier nicht nur vor dem gewaltsamen Tod gerettet, sondern auch zum Invaliden gemacht. Der Vogel war zwar noch flugfähig; zur Landung hätte es aber nicht mehr gereicht.“ Allerdings gab Richter Poetsch dem „Vogelfreund“ einen vielleicht nicht unklugen Ratschlag mit auf den Heimweg: Er empfahl W., sich mit einer Runde Gerstensaft bei den Schützen zu entschuldigen.“

Aus der „Westfälischen Rundschau“, Lokalausgabe Olpe, vom 17.12.1992

4. Ein "schweinisches" Schützenfest....

Sommer im Sauerland - die Zeit der Schützenfeste. Im ganzen Sauerland legen die Schützen an den Vogelstangen auf ihre gefiederten Wappentiere an. Im ganzen Sauerland? Ein kleiner Ort im idyllischen Repetal widersetzt sich standhaft der Jagd auf den Schützenvogel. Schon seit vielen Jahren steht der "Adler" in Mecklinghausen unter Artenschutz. Was freilich keineswegs bedeutet, dass man nicht auch hier wie anderswo die Schützenfeste feiern würde, wie sie fallen. Nur hier machen die Schützen dem Namen des Sauerlandes alle Ehre... Statt eines stolzen Adlers ermittelt der "Fickeltünnes"- Schützenverein Mecklinghausen seinen Regenten durch das Schießen auf ein hölzernes Schwein. Und so erklärt sich das ungewöhnliche Schützentreiben: In der Kapelle in Mecklinghausen, die dem hl. Antonius dem Einsiedler geweiht ist, steht eine Statue des Heiligen, die ihn mit einem Schwein darstellt, weil er, so die Legende in der Wüste als Eremit mit einem Schwein gelebt haben soll. Aus diesem Grunde wird er im sauerländer Sprachgebrauch auch „Fickeltünnes“ genannt. Diesen Namen machte sich der Schützenverein zu Eigen und nennt sich nun „Fickeltünnes Schützenverein Mecklinghausen n. e. V. “(= nicht eingetragener Verein). Da musste das Schwein natürlich auch als Wappentier herhalten, und so lässt es jedes Jahr aufs Neue seine Federn (Borsten). Das Schützenfest entstand 1965 aus der Nachfeier zum Heldener Schützenfest. Seit einigen Jahren hat das Fest seinen eigenen Platz am zweiten Samstag im Juli, wo das ganze Dorf mitfeiert. Übrigens: Das Borstenvieh erweist sich keineswegs als Sparschwein. Bis das Ringen um die Regentschaft in Mecklinghausen entschieden ist, verstreicht bisweilen mehr Zeit als für die "Jagd auf den Aar" in anderen Orten....

5. Ein Appel für den Herrn Pastor...

Schützenfest 1993 in Saalhausen: Traditionsgemäß gehört dem Geistlichen des Ortes der erste Schuss.
Und Pastor Norbert Appel macht Ernst: Mit einem gezielten Schuss sichert er sich den Reichsapfel des Wappentieres, das zu den schönsten Schützenvögeln des Sauerlandes zählt.
"Der Appel schießt den Appel" - nomen es omen! Bei den Schaulustigen an der Vogelstange sorgte das Ereignis natürlich für Lachsalven.

6. Zwei Treffer und noch immer kein Regent

Von der langen Suche nach einem Schützenkönig in Bockraden
-ru/sg- Bockraden. Nicht immer hat ein Schützenverein auch einen König, wenn einer treffsicher den Vogel von der Stange geholt hat. Diese Erkenntnis blieb den Bockradener Bürgerschützen von ihrem Königschießen am Samstag. Der zielsichere Schütze, der mit einem Pflichtschuß den Vogel zuerst zu Fall brachte, schlug jedenfalls die Hände über den Kopf zusammen und suchte mit fliehenden Fahnen das Weite, verdutzte Vereinsmitglieder am Schießstand zurücklassend.
Was blieb übrig, als schnellstens einen neuen Holzvolgel aufzutreiben um den nächsten Anwärtern auf den Königstitel ein würdiges Ziel zu bieten? Als dieser wieder oben prangte und sich alle Aufregung ein wenig gelegt hatte, dauerte es nicht lange, bis erneut der Vogel fiel, zumal das hölzerne Tier nicht von ganz so solider Machart war wie sein Vorgänger.
Nun gab es an diesem denkwürdigen Tag für die Schützen offenbar viele, die gut treffen konnten, aber es wollte doch nicht den Richtigen treffen. So waren diesmal nicht nur die Umstehenden verdutzt, sondern ebenso der zielsichere Schütze. König könne er nicht werden, hieß es sodann, er müsse Sonntag, also einen Tag vor dem Bockradener Schützenfest, seinen Kururlaub antreten. Zwei Vögel waren da nun gefallen und immer noch keine neuen Majestäten, dass mußte doch mit dem Deubel zugehen. Weise Voraussicht muß wohl die Verfasser der Vereinsstatuten bewogen haben, für diesen Fall eine Lösung vorzusehen. Derjenige solle das Amt einnehmen, der vor dem unglücklichen Treffer seinen Schuß auf den Vogel abgegeben hatte. Oh Bockraden, was, wenn auch der mit dem Kopf geschüttelt hätte?
Aber Günther Goldbeck hatte ein Erbarmen und so hat es nun doch einen Regenten in Bockraden und ein happy end für das Königschießen, das sicher als amüsante Kuriosität in die Analen des Vereins eingehen wird.

Quelle: "Ibbenbürener Volkszeitung vom Juli 1990"

7. Kalter Grog und Schnaps - aus der Geschichte des Bürgerschützenvereins Hänigsen

Nach einer Notiz im Oberhagener Kirchenbuch wurde bereits im Jahre 1614 in Hänigsen Schützenfest gefeiert. Zur Organisation des Festes schlossen sich jeweils die unverheirateten Männer des Ortes zu einer Schützengesellschaft zusammen, die sich nach der Durchführung des Festes wieder auflöste. Was heute Aufgabe des Vereinsvorstandes ist, hatten damals die sogenannten Schaffer zu leisten. Diese wurden nicht gewählt, sondern waren stets der zweit- und drittbeste Schütze des Vorjahres. So nahm die Schützengesellschaft auch jedes Jahr nach dem Anbringen der Königsscheiben auf der Diele des jeweiligen Schützenkönigs Platz und wurde mit Brot und Aufschnitt, vor allem aber mit kaltem Grog und Schnaps bewirtet. Die Wirkung des gut gekühlten Rumgrogs mus unbeschreiblich gewesen sein. So erreichten im Jahre 1914 lediglich 15 Umzugsteilnehmer den Festplatz.


© Arno Jakobs


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